Teilhabeforschung auf ein neues Level bringen

Teilhabeforschung als interdisziplinäres Forschungsfeld gestalten – das ist das Ziel unseres Aktionsbündnisses Teilhabeforschung. Wir wollen eine Teilhabeforschung befördern, die der Verwirklichung von Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen verpflichtet ist.

Das bundesweite Aktionsbündnis besteht aus 170 Organisationen und Personen: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Menschen mit Behinderungen und ihren Interessenvertretungen, Fachgesellschaften, Instituten, Fach- und Wohlfahrtsverbänden und weiteren Zusammenschlüssen.

Der Teilhabebericht – Konsequenzen für die  Teilhabeforschung

Heute fand mit 120 Teilnehmenden die jährliche Fachtagung und Bündnisversammlung im Kleisthaus in Berlin statt, dem Sitz der Behindertenbeauftragten der Bundesregierung. Durch Dolmetschung in Gebärdensprache, Schriftmittlung und Simultanübersetzung in Leichte Sprache konnten auch Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen an der Veranstaltung teilnehmen. Ein LiveStream ermöglichte es Interessierten, die nicht persönlich da sein konnten, die Veranstaltung am Bildschirm zu verfolgen.

Bei der Fachtagung haben wir uns mit dem zweiten Teilhabebericht der Bundesregierung auseinandergesetzt. Die Referentinnen und Referenten haben viele Forschungslücken aufgedeckt. In vielen Teilhabefeldern wie Arbeit, Barrierefreiheit und Gesundheit wissen wir zu wenig über die Teilhabemöglichkeiten und Ausgrenzungserfahrungen von Menschen mit Behinderungen.

Für ein Forschungsprogramm Teilhabeforschung

Eine Erkenntnis, die ich aus der Fachtagung gezogen habe, ist, wie wichtig eine Teilhabeforschung als interdisziplinäres Programm ist. Diese Erkenntnis ist nicht ganz neu, aber sie wurde mir noch einmal überdeutlich. Wir brauchen einen besseren Austausch, einen besseren Überblick, mehr Forschung und bessere Forschung. Forschung, die stärker als bisher die Menschenrechtsperspektive einnimmt.

Genau das sind die Ziele des Aktionsbündnisses Teilhabeforschung. Für mich persönlich ist das Aktionsbündnis eine spannendes Spielfeld der Weiterentwicklung. Ich finde es gewinnbringend – und auch herausfordernd – mich mit anderen Forschungsrichtungen und Ansätzen auseinanderzusetzen. Gerade solchen, die mir erst mal fern liegen. Sie sind für mich bereichernd, weil sie mich auf neue Ideen bringen. Weil sie Lösungen vorschlagen, die ich noch nicht gesehen habe. Weil sie Themen setzen, die bislang außerhalb meines Blickwinkels waren.

Was das Aktionsbündnis will

Das Aktionsbündnis will keine Gleichmacherei von Forschung oder stromlinienartige Ausrichtung. Im Gegenteil: Wir halten die Vielfalt von Forschung für ein hohes Gut. Erst diese Vielfalt ermöglicht Weiterentwicklung.

Das bedeutet aber nicht Beliebigkeit. Was wir wollen ist, solche Forschung zu stärken, die den sozialen Einflussfaktoren bei  der Entstehung von Behinderung Rechnung trägt. Wir wollen Forschung befördern, die das Wissen für eine inklusive Gesellschaft bereitstellt. Wir wollen Veränderungsprozesse im Umgang mit behinderten Menschen untersuchen, entwickeln, gestalten, verstehen und reflektieren. Und wir wollen Menschen mit Behinderungen Wege zur partizipativen Forschung eröffnen. Das bedeutet, dass Menschen mit Behinderungen selbst an Forschungsprozessen mitwirken und selbst forschen.

Koordinierungsgruppe neu gewählt

Im Anschluss an die Fachtagung wurde in der Bündnisversammlung  die siebenköpfige Koordinierungsgruppe neu gewählt. Ich freue mich, dass ich wieder gewählt wurde. Ich werde mich weiter dafür einsetzen, die Idee der Teilhabeforschung zu verbreiten. Meine Vision ist, dass wir in sieben Jahren ein Förderprogramm zur Teilhabeforschung mit einem potenten Förderer auflegen. Das ist ambitioniertes Ziel, aber es ist auch ein inspirierendes Ziel. Daran arbeite ich und setze auf viele Mitspieler, die diese Vision teilen.

Wollen Sie im Aktionsbündnis Teilhabeforschung mitmachen? Informationen zum Bündnis finden Sie hier.

Welches Wissen benötigt Ihre Organisation, um sich inklusionsorientiert weiterzuentwickeln? Informationen zu unseren Leistungen im Bereich Forschung finden Sie hier.